Geschichte des Friedhofes

Herbstzeit im Friedhof
Bildrechte: frö

Der Friedhof in Segnitz

Als der Platz um die Kirche zu eng wurde verlegte die Kirche den Friedhof im Jahre 1607 an den Rand des Dorfes. Schon allein deshalb weil in diesem Jahr die Pest 90 Segnitzer Bürger wegraffte, wäre der Platz in der Kirchenburg nicht mehr ausreichend gewesen. Zuerst wurde eine Mauer um den neuen Begräbnisplatz angelegt. Baumeister Hans Kesenbrod stiftete den bekannten Torbogen aus Sandstein. Der damaligen Tradition zufolge wurde ein Arkadengang gebaut der den Trauernden bei Begräbnissen Schutz vor Wind und Wetter gab. Zu dieser Zeit reichte der Friedhof vom Eingangsportal bis zu Ende der Arkaden und ostwärts bis zu der heute noch bestehenden Zwischenmauer in der Mitte des Friedhofes. Mit einer Zeremonie konnte am 8. Juli 1607 der Gottesacker seiner Bestimmung übergeben werden. Es war außerdem im selben Jahr von einem „Bäulein“ zu lesen. Was oder an welcher Stelle dieses gewesen ist, kann nicht nachvollzogen werden. Der Gedanke ist aber, dass es ein Leichenhäuschen gewesen ist. Vermutlich stand es an der Stelle, an dem das heutige Bahrhaus seht.
In der Zeit von 1607 bis 1609 wurde der Auftrag zum Bau eines Giebels auf den von Hans Kesenbrod gestifteten Torbogen an den Steinmetzmeister Burkhard gegeben. Vollendet war das Portal am 25. März 1609.
Auf dem Wappenstein den Burkhard setzte sind die Embleme der Ansbach-Brandenburgischen Dorfherren, das der von Zobel (Pferdekopf) und St. Martin -der Patron der Segnitzer Kirche- eingemeißelt. Darunter sitzt die Schrifttafel mit den Worten:


Sechzehnhundert sieben Jahr
Nach Christi Geburt die Zal war
Als den Gottesacker ahn die Stett
Ein Erbar Gericht bawen thett
Zue Nutz und Trost der gantzen Gmein
                     Dafür sei Gott die Ehr allein.                
__________________________________

All die ihr hie für über geht
und mein schröcklich Gestalt anseht
Lebt Gottsfürchtig und nembs zu Sinn
Den ihr müsst werden wie ich bin

und das Totenbild.
Links über dem Torbogen verewigte sich Hans Kesenbrod mit seinem Wappen, ein geflügelter Löwe mit dem Langschwert, dem sogenannten „Bidenhänder“ (Kesenbrod durfte das Schwert offiziell führen), auf einer Gedenktafel mit den Worten:

Hans Kesenbrod der Alt genand
Schulthas zu Segnitz wol bekand
hat diesen Bogen Gott zu ehrn
zu diesem Gottsacker tun verehrn

Anno Dom 1607 im Maio


1911 stifteten die Geschwister Maria Margaretha und Friedrich Dietz ein Grundstück, welches die Erweiterung des Friedhofes ermöglichte. Ein umgearbeitetes KesenbrodEpitaph erinnert an die beiden.

Im Jahr 1922 wollte die Gemeinde den im ersten Weltkrieg gefallenen Segnitzern zu Ehren ein Denkmal setzen. Dafür wurde eine Umgestaltung des bisherigen Friedhofes nötig. Das Denkmal, welches von dem Segnitzer Steinmetz Johann Appetz geplant und errichtet wurde, kam an die östliche Mauer.
An das Ende des Arkadenganges sollte noch ein Eingangstor gefügt werden. Das jedoch scheiterte an der Finanzlage der Gemeinde. Die  Renovierungsmaßnahmen des Rathauses, des Armenhauses und der Hauptstraße waren vorrangig.

Die gravierendste Veränderung des Friedhofes aber war der Bau eines Leichenhauses im Jahr 1965. Die Verstorbenen wurden nun kaum noch zuhause aufgebahrt. So entschloss sich der Kirchenrat und die Gemeinde nach einer Bürgerversammlung zum Bau. Der ursprüngliche Plan, ein Feld des Arkadenganges dafür herzunehmen wurde verworfen. Ein freistehendes Gebäude mit einer Kühlzelle war die sinnvollere Lösung. Durch den überdachten Vorbau konnte ein einheitliches Bild zum Arkadengang hergestellt werden.
Als Totenglocke im Dach der Leichenhalle fand eine Glocke aus dem 14. Jh. Verwendung, die lange Zeit auf dem Dachboden der St. Martinskirche lag. Ihre wiedergefundene Aufgabe war nun, die Feierlichkeiten zu Bestattungen einzuläuten.  

Der Friedhof birgt außerdem im Arkadengang wertvolle Epitaphien und Freskenmalereien. Im Friedhof selbst stehen drei bemerkenswerte Denkmäler. Das eine erinnert an Moritz Hörlein, das zweite Denkmal ist das Monument, das die Witwe Maria Amalia Johanna Keerl ihrem Ehemann Johann Valentin, Weinhändler und Essigsieder, errichten ließ. Das dritte Denkmal an der nördlichen Mauer nahe dem Ausgang erinnert an Johann Vitus und Maria Barbara Krönlein, den Eltern des Missionars Johann Georg Krönlein. Verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den drei Familien sind zu vermuten, zumal Moritz Hörlein ein Neffe der Frau Maria Barbara Krönlein war. Ein viertes Denkmal, welches in der Nähe des „Essigdenkmals“ stand, ist nicht mehr vorhanden.

Die Schönheit, das Gesamtensemble unseres Segnitzer Friedhofes mit den gepflegten Gräbern, den historischen Denkmälern, Epitaphien und anderen Kleinoden, lädt zum Verweilen ein. Besucher sagen nicht selten, dass unser Friedhof einer der schönsten „Stätten“ auf ihren Wegen ist.

Quellen: Gemeindearchiv Segnitz, Pfarrarchiv Segnitz im landeskirchlichen Archiv in Nürnberg, Pfarramt Segnitz, Dr. Wilhelm Funk: Artikel in der Beilage „Am fränkischen Herd“ der Kitzinger Zeitung vom 6. Oktober 1935, Ludger Heuer, Ländliche Friedhöfe in Unterfranken. Norbert Bischoffs ALTE Gschichten Nr. 5, Nr. 6, Jahrgang1/Nr. 3 und SEGNITZER Gschichtn Nr.5, Nr. 43 und Nr. 44.